Samstag 29.04.2004, Anker, Leipzig
7. Jugendfestival "LEIPZIG. COURAGE ZEIGEN."

- Junge Musiker gegen Gewalt und Rassismus -
Brand Picture, Sequoyah, Tante Crystl, Livid, Yoursort, Nitrolyt

Sequoyah, so heißt nicht nur der Mammutbaum und der Indianerhäuptling der Cherokee, sondern seit der frühen Samstagnacht auch die Siegerband des Courage-Jugendfestivals 2005. Sie haben sich mit fünf weiteren Bands von einer fachkundigen Jury messen lassen und gewannen gegen die starke Konkurrenz mit dem geschlossensten und überzeugendsten Beitrag. Schon ein paar Stunden später teilten sie sich die Bühne vor dem Völkerschlachtdenkmal bei der jährlichen Veranstaltung „Leipzig. Courage zeigen.“ unter anderem mit „Such A Surge“.

Auf dem Fuß folgten ihnen Brand Picture, die als zweitplatzierte das Vergnügen hatten, zur diesjährigen Maiveranstaltung gegen rechte Gewalt auf dem Augustusplatz aufspielen zu dürfen. Einprägen wird man sich aber auch die weiteren vier Finalisten. Das sind Tante Crystl, Nitrolyt, Yoursort und Livid, die alle für einen spannenden Abend sorgten und mit Spielfreude und Energie die Anker-Bühne rockten.

Sehr unterschiedlich waren die einzelnen Acts. Doch eines hatten sie alle gemeinsam. Sie waren im härteren Rockbereich angesiedelt und stilistisch vielseitig. Zum Schluss war es tatsächlich nicht einfach, die Plätze zu vergeben. Denn richtige Hänger gab es am ganzen Abend nicht. Alle sechs Bands zeigten auf dem Level eines Nachwuchswettbewerbes solide Beiträge auf gutem musikalischem Niveau, selbstbewusst präsentiert. Eine halbe Stunde Zeit stand dafür jeweils zur Verfügung. Die Umbaupausen waren, dank der erfahrenen Anker-Technik-Crew, kurz. Und so ging der Endausscheid gewissermaßen zügig und kurzweilig über die Bühne. Zum neugierigen und fairen Publikum gehörten wieder viele Teilnehme der Vorausscheide. Die Jury rekrutierte sich aus Musikern und Medienvertretern. Und selbstverständlich zählte auch wieder Herr Professor Peter Zwirnmann von der Leipziger Musikhochschule zu ihr, der, wie in allen Jahren, mit Fachverstand und Liebe zur Sache alle sechs Vorausscheide und diese Abschlussveranstaltung begleitete! Eng verbunden mit dem Jugendfestival und mittlerweile bekannte Gesichter sind auch die Moderatoren Mandy Franziska Engel (Radio NRJ) und Alex Huth (Radio Sputnik), die zum Einen humorvoll die Pausen füllten, auf nette Weise die Bands ankündigten und sich jede Mühe gaben, die Stimmung im Publikum zu pushen und die zum Anderen immer wieder daran erinnerten, wie wichtig es wäre am nächsten und übernächsten Tag friedlich zu demonstrieren.

Den musikalischen Startschuss erteilten dem Abend Yoursort. Laut hauten sie rein, brüllte der Sänger ins Mikro. Ihre Hard-Rock-Grunge-Heavy Mugge kam auch auf der Anker-Bühne kompakt. Gute Gitarrenarbeit der Saitenfraktion, metalmäßige Riffs und voranschreitender Schlagzeugrhythmus erzeugten satte Power und fetten Sound in dem die Stimme des Frontmanns mit Leichtigkeit bestand. Beim Vorausscheid im kleinen Geyserhaus-Unterrock hatten die Leipziger allerdings bessere Chancen, die Luft brennen und das Publikum pogend abgehen zu lassen. « Mit Nitrolyt gings stimmungsvoll, laut, energiegeladen weiter. Ihre Show differenzierte ein kleines bisschen von ihrem Auftritt zum Vorausscheid. Allerdings wirkte sie dort konzentrierter. Diesmal hatte ‚Nitrolyt’ Marcelemcy ins Programm integriert. Die Texte sind engagiert und auch ironisch. „Commercial Brain“ zum Beispiel kündigten sie als Ode an die Werbung an. Einen Titel sangen sie für die Männer, die ihren Frauen als Sexsklaven dienen müssen. Einen Song spielten sie „gegen die ganze Braune Scheiße“ wie Durchfall, Blähungen, Hämorrhoiden. Im letzten Titel zogen sie dann die Unterstützung eines Geigers, zweier Tänzerinnen sowie zweier effektvoll Haar schüttelnder Herren hinzu. Das ging noch mal tierisch ab, hat aber dennoch nicht zum Sieg gereicht. « Auch der geilen Gitarrenmugge von Livid war der Sieg nicht beschieden. Die fünf Wilsdruffer, die im Mühlkeller mit ihrem druckvollen Punk ihre Fans regelrecht zu boden rissen, boten zwar auch hier treibenden Groove und starken Gesang. Doch reichte die Energie in dem großen Ankersaal noch nicht ganz aus, das Publikum ebenso zu rocken. In Anbetracht der starken Konkurrenz schafften sie es diesmal noch nicht an die Spitze. «

Was vor allem für eine Party und so ein Festival wichtig ist, zeigten nun als Lehrstück Sequoyah. Die Leipziger Band, die gerade erst seit 2004 besteht, marschierte mit Siegesgewissheit und Schwung (in der Musik wie in den Hüften ihres Sängers) und druckvollem Rock auf den ersten Platz. Musikalisch topp und gesanglich stark machten sie eine gute Show und Freude. Die kraftvolle, warme Stimme ihres Frontmanns und sein sanftes Timbre gefiel natürlich ganz besonders den zahlreich vor der Bühne versammelten Mädchen. Und für eben die schwang Micha auch ganz sexy seine Hüften. Soviel Einsatz wurde dann nicht nur von den Fans, sondern auch von der Jury belohnt. «
Schon wieder Pech mit der Technik hatten ‚Tante Crystl’. Diesmal riss eine Gitarrensaite und ließ sich offenbar nicht schnell genug auswechseln. Nach wenigen, nervenaufreibenden Minuten wurde aber vom Rechts-Außen der Vorgängerband eine Gitarre geliehen und es konnte weiter gehen, routiniert, sicher und kompakt. Klar konnte eine Dreimann-Band nicht die gleiche Show abziehen, wie die fünf Leute von ‚Sequoyah’. Dennoch ließen sie es rocken und funken, draf der Schub vom Schlagzeug, der Druck vom Bass und eine hervorragende Gitarrentechnik vom Frontmann den Nerv des Publikums.

Von den Fans ganz besonders geliebt und mit riesigem, anhaltenden Applaus bedacht wurde die letzte Band des Abends Brand Picture. Mit einer Show machten sie sich nicht so viel Mühe. Sie spielten einfach ihre Songs. Die hatten gute Hooks, rockten, waren vielseitig, musikalisch ausgreift und verdienten auf jeden Fall ebenso besondere Anerkennung. Dennoch kann nur einer gewinnen. Und das war zum Schluss die Band, die nicht nur musikalisch sondern auch mit einem stimmigen Gesamtauftritt überzeugen konnte.


Nach fast ewig dauernder Stimmauszählung wurde das letztendlich gerechte Urteil gesprochen. Zur Siegerband des siebenten Jugendfestivals wurde Sequoyah gekürt. Sie waren damit auch am 30.04.2005 am Völkerschlachtdenkmal mit dabei. Den zweiten Platz und damit die Auftrittschance am 1. Mai hatte sich ‚Brand Picture’ erspielt.

pepe