1. Mai 2005, Leipziger Volkszeitung vom Sonntag
Magisches Licht, prächtige Stimmung

Gemeinsam stehen sie vor der Bühne und jubeln: Die junge Frau mit dem roten Irokesenschnitt und der Herr mit dem grauen Bärtchen. Alt und jung, bunt oder dezent gekleidet, Kulturen und Szenen vermischen sich beim großen Leipziger Festival für Frieden, Demokratie und Menschenrechte vor dem Völkerschlachtdenkmal.

Zum achten Mal heißt es am Samstag "Leipzig. Courage zeigen", und mehr als 20000 folgten dem Ruf, um zu zeigen, dass sie Gewalt und Rechtsextremismus ablehnen.

Für gute Stimmung sorgt neben Moderator Alex von MDR Sputnik das umfangreiche Programm des Abends. Mit etwas Verspätung beginnen Haase und Band ihr Konzert. Zweite im Bunde ist die Siegerband des Jugendwettbewerbs, Sequoyah aus Leipzig mit gitarrenlastigem Alternative Rock und einem Sänger, der nicht nur ein bisschen an die Klasse von Pearl Jam erinnert. Für die junge Band sicher ein eindrucksvolles Erlebnis, auf einem Festival vor so großem Publikum zu spielen. Und das ist offen, voll mitreißend guter Stimmung, tolerant und geprägt von gegenseitigem Respekt. Spürbar auch bei Bands wie Cäsar und die Spieler, mit denen der gemeine Punkrocker oder Metalfan an einem normalen Tag nicht so viel anfangen kann. Hier aber feiern alle gemeinsam, klatschen den Musikern zu, für deren Arbeit ihnen gewöhnlich der Zugang fehlt. Vielleicht ist's auch die atemberaubende Kulisse, die Cäsar und Co. besonders zugute kommt: Das Völkerschlachtdenkmal vor strahlend klarem Abendhimmel. Leuchtendes Blau vor Einsetzen der Dämmerung setzt auch die Bühne in ein magisches Licht.

Zuvor spielen Bosse. Gefühl und Härte aus Deutschland mit einer schönen neuen Single. Nach Cäsar die Zöllner Bigband und anschließend 17 Hippies, bekannt aus dem Film "Halbe Treppe", die mit ihrem schönen, lebendigen Weltmusik-Pop-Mix noch einmal stimmungsmäßig für ein großes Gemeinschaftserlebnis sorgen. Als letztes bringen Such A Surge die jüngeren Leute mit ihrem Crossover zum Hüpfen. Danach beginnt die Arbeit der Crew: Rückbau bis etwa sechs Uhr morgens ist angesagt. Eine Tonne Würste und sechs Tonnen Getränke haben die Caterer bewegt, vier Trucks müssen wieder beladen werden, drei bis vier Kilometer Kabel und Leitungen werden eingerollt. Den mehr als 200 Helfern, Musikern und Mitarbeitern kann man nur danken: Es hat sich wieder gelohnt. Leipzig hat - einmal mehr Courage gezeigt. Und einen schönen Abend verlebt.

Markus Wittpenn